Steuerfindung im Vertrieb

Im Vertrieb unterstützt Sie proALPHA mit der Steuerfindung bei nationalen, innergemeinschaftlichen sowie internationalen Geschäftsvorgängen. Je nach Geschäftsvorgang sind für die Steuerfindung unterschiedliche Besteuerungsgrundlagen relevant. Diese werden bei der Erfassung von Vertriebsbelegen (auch Servicebelege) automatisch ermittelt und im Belegkopf vorgeschlagen. Anhand der Besteuerungsgrundlagen wird festgestellt, ob der Geschäftsvorgang des Belegs steuerpflichtig oder steuerfrei ist. Bei einem steuerpflichtigen Geschäftsvorgang wird die Umsatzsteuer für die einzelnen Belegpositionen des Belegs mit Hilfe der Kontenfindung ermittelt. Die Umsatzsteuer wird in den Belegpositionen ausgewiesen und fließt auch in die Belegsummen ein.

Einschränkungen bei der Steuerfindung

Durch die Steuerfindung werden bei nahezu allen Geschäftsvorgängen die Daten zur jeweiligen Besteuerung automatisch ermittelt. Jedoch gibt es wenige Geschäftsvorgänge, bei denen die Steuerfindung verschiedenen Einschränkungen unterworfen ist. Dazu zählen folgende Geschäftsvorgänge:

  • Steuerfreie Ausgangsumsätze nach § 4 Nr. 8 bis 28 UStG

    Bei solchen Geschäftsvorgängen müssen die Besteuerungsgrundlagen manuell angepasst werden.

  • Umsatzbesteuerung aus Transportbehältnissen, z.B. Pfand

  • Dreiecksgeschäfte

    Für solche Geschäftsvorgänge müssen die für die Steuerfindung relevanten Stammdaten entsprechend erfasst sein. Zudem müssen je nach Geschäftsvorgang die Besteuerungsgrundlagen manuell angepasst werden.

  • Umsätze, die dem Reverse-Charge-Verfahren unterliegen (Umkehrung der Steuerschuldnerschaft nach § 13b UStG)

    Für solche Geschäftsvorgänge müssen die für die Steuerfindung relevanten Stammdaten entsprechend erfasst sein.

Darüber hinaus gibt es Einschränkungen, die von der Konfiguration der Kontenfindung abhängig sind. Anhand der Compilerkonstante pa_S_Kontenfindung ist konfiguriert, ob nur die einfache Kontenfindung zur Verfügung steht oder die erweiterte Kontenfindung. Bei der einfachen Kontenfindung sind im Kundenstamm nur zwei Steuergruppen hinterlegt. Somit kann die Steuerfindung lediglich für die Geschäftsvorgänge erfolgen, zu denen die beiden Steuergruppen im Kundenstamm hinterlegt sind. Bei der erweiterten Kontenfindung können maximal sechs Steuergruppen im Kundenstamm hinterlegt sein. Infolge der zunehmenden Globalisierung wird die erweiterte Kontenfindung empfohlen, da Sie so mit zusätzlichen Steuergruppen mehr Steuerfälle abbilden können. Daher beziehen sich die Erläuterungen in diesem Thema auf die Steuerfindung bei der erweiterten Kontenfindung.

Hinweis: Mehr Informationen zur Steuerfindung und den hier genannten Einschränkungen erhalten Sie von Ihrem Berater.

Geschäftsvorgänge mit Steuerfindung

Die Steuerfindung erfolgt automatisch in Vertriebsbelegen (auch Servicebelege), die im Rahmen von Geschäftsvorgängen zu Warenlieferungen sowie Dienst- und Serviceleistungen erfasst werden.

Steuerfälle im Vertrieb

Erläuterungen sowie Beispiele zu Steuerfällen finden Sie im Thema "Steuerfälle im Vertrieb".

Voraussetzungen für die Steuerfindung

Voraussetzungen

Erläuterungen

Die Stammdaten für die Steuerfindung sind erfasst.

Thema: Stammdaten für die Steuerfindung

Der Beleg zählt zu einem Geschäftsvorgang mit Steuerfindung.

-

Der Arbeitsschritt während des Geschäftsvorgangs zählt zu den Aktionen mit Steuerfindung.

Die automatische Steuerfindung erfolgt nur bis zum Zeitpunkt der Lieferung.

Thema: Zeitpunkt der Steuerfindung

In den Besteuerungsgrundlagen des Belegs ist das Kontrollkästchen Ausnahme nicht aktiv.

-

Zeitpunkt der Steuerfindung

Die Steuerfindung erfolgt automatisch bei der Belegerfassung. Bei der Erfassung des ersten Vertriebsbelegs zu einem Geschäftsvorgang wird die Steuerfindung erstmals durchgeführt. Je nach Geschäftsvorgang kann die Steuerfindung während der Abwicklung des Geschäftsvorgangs erneut durchgeführt werden, auch mehrmals. So wird während eines Geschäftsvorgangs zu mehreren Zeitpunkten geprüft, ob die Besteuerungsgrundlagen für den Geschäftsvorgang noch gültig sind.

Die Steuerfindung erfolgt in folgenden Belegen:

  • Angebote

  • Aufträge

  • Rahmenaufträge

  • Abrufaufträge

  • Lieferscheine ohne Demo-Lieferscheine

  • Rechnungen

  • Proforma-Rechnungen

  • Gutschriften

  • Wartungsverträge und Wartungsangebote

  • Serviceaufträge und Serviceangebote sowie Reparaturserviceaufträge und Reparaturserviceangebote

Bei jeder Steuerfindung wird auch eine Kontenfindung durchgeführt. Dabei werden die gültigen Daten zur Besteuerung der Teile in den Belegpositionen ermittelt, u.a. Steuerschlüssel und Erlösgruppen. Bei einer erneuten Steuerfindung während des Geschäftsvorgangs wird durch die Kontenfindung geprüft, ob die Daten zur Besteuerung der Teile in den Belegpositionen noch gültig sind.

Die Steuerfindung erfolgt bei folgenden Aktionen:

Aktionen

Erläuterungen

Manuelle Erfassung eines Belegs

Die Steuerfindung erfolgt beim Erfassen des Belegkopfs.

Angebote kopieren

Die Steuerfindung erfolgt beim Kopieren eines Angebots. Dabei werden die Besteuerungsgrundlagen für das neue Angebot ermittelt. Verschiedene Besteuerungsgrundlagen werden bereits im Fenster Parameter Belegübernahme vorgeschlagen.

Belegübernahme, sofern noch keine Lieferung erfolgt ist

Die Steuerfindung erfolgt z.B. bei der Belegübernahme eines Angebots in einen Auftrag. Je nach Belegübernahme wird durch die Steuerfindung geprüft, ob die Besteuerungsgrundlagen des Vorgängerbelegs noch gültig sind. Dabei können die Besteuerungsgrundlagen automatisch aktualisiert werden.

Bei einer Belegkette erfolgt die Steuerfindung nur bis zum Zeitpunkt der Lieferung (Archivierung des Lieferscheins). So erfolgt bei der Fakturierung eines Lieferscheins keine Steuerfindung. Die Besteuerungsgrundlagen des Lieferscheins werden in die Rechnung übernommen. Nach der Fakturierung können die Besteuerungsgrundlagen weder im Lieferschein noch in der Rechnung geändert werden.

Hinweis: Die Steuerfindung erfolgt nicht erneut, wenn im Vorgängerbeleg das Kontrollkästchen Ausnahme aktiv ist. Die Besteuerungsgrundlagen des Vorgängerbelegs werden entsprechend Ihren Änderungen in den Folgebeleg übernommen und nicht aktualisiert. Jedoch wird bei der Belegübernahme geprüft, ob die den Besteuerungsgrundlagen zu Grunde liegenden Stammdaten für die Steuerfindung noch gültig sind. Wenn die Stammdaten zu einem Bestandteil der Besteuerungsgrundlagen nicht mehr gültig sind, dann wird die Belegübernahme abgebrochen.

Belegübernahme einer archivierten Rechnung in eine Gutschrift

Gutschriften, die durch die Belegübernahme von archivierten Rechnungen entstehen, werden als eigenständige Geschäftsvorgänge betrachtet. Daher erfolgt bei einer solchen Belegübernahme eine Steuerfindung für die Gutschrift. Dabei werden die Besteuerungsgrundlagen der Gutschrift zum Belegdatum der Gutschrift ermittelt.

Dies gilt auch dann, wenn in der zu Grunde liegenden Rechnung die Einstellung des Kontrollkästchens steuerfrei manuell geändert wurde.

Belegübernahme einer Gutschrift in eine Rechnung

Rechnungen, die durch die Belegübernahme von Gutschriften entstehen, werden als eigenständige Geschäftsvorgänge betrachtet. Daher erfolgt bei einer solchen Belegübernahme eine Steuerfindung für die Rechnung. Dabei werden die Besteuerungsgrundlagen der Rechnung zum Belegdatum der Rechnung ermittelt.

Dies gilt auch dann, wenn in der zu Grunde liegenden Gutschrift die Einstellung des Kontrollkästchens steuerfrei manuell geändert wurde.

Generieren von Proforma-Rechnungen für innergemeinschaftliche Verbringungen

Die Steuerfindung erfolgt beim Generieren der Proforma-Rechnung zu dem Lieferschein an Lager, der für die innergemeinschaftliche Verbringung erfasst wurde.

Übernahme von EDI-Nachrichten oder INWB-Nachrichten

Mit einer EDI- oder INWB-Nachricht werden verschiedene Besteuerungsgrundlagen übermittelt und in den Beleg übernommen, z.B. die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Die nicht übermittelten Besteuerungsgrundlagen werden bei der Übernahme unter Berücksichtigung der bereits übermittelten Besteuerungsgrundlagen durch die Steuerfindung ermittelt und in dem Beleg ergänzt. Dabei wird nicht nach Belegarten unterschieden. Das bedeutet: Diese Vorgehensweise gilt z.B. für die Übernahme einer Nachricht mit einem Angebot als auch für die Übernahme einer Nachricht mit einem Auftrag.

Manuelle Änderung von steuerrelevanten Adressangaben im Beleg

Je nach Beleg erfolgt die Steuerfindung bei folgenden Änderungen im Belegkopf:

  • Vertriebsbeleg oder Reparaturservicebeleg (Inhouse Service)

    • Änderung der Kundenadresse eines diversen Kunden, wenn im Belegkopf keine Lieferadresse erfasst ist.

    • Erfassung, Änderung oder Löschung der Lieferadresse.

    • Erfassung, Änderung oder Löschung des Profitcenters, wenn im Belegkopf kein Abgangslagerort erfasst ist (Lagerort ist "?").

    • Erfassung, Änderung oder Löschung des Abgangslagerorts.

  • Wartungsvertrag oder Serviceauftrag (Field Service)

    • Änderung der Kundenadresse eines diversen Kunden, wenn im Belegkopf kein Einsatzort erfasst ist.

    • Erfassung, Änderung oder Löschung des Einsatzorts.

    • Erfassung, Änderung oder Löschung des Profitcenters, wenn im Belegkopf kein Abgangslagerort erfasst ist (Lagerort ist "?").

    • Erfassung, Änderung oder Löschung des Abgangslagerorts.

Manuelle Änderung von steuerrelevanten Daten

(Gilt nur für Geschäftsvorgänge mit Endkunden.)

Die Steuerfindung erfolgt beim Ändern der Versandart im Belegkopf. Die Steuerfindung erfolgt, wenn die Einstellung des Kontrollkästchens Versendung der ursprünglichen Versandart und der neuen Versandart nicht identisch ist.

Manuelle Änderung der Besteuerungsgrundlagen im Beleg

Die Steuerfindung erfolgt beim Ändern der folgenden Besteuerungsgrundlagen:

  • Belegdatum

    Die Steuerfindung erfolgt, wenn Sie das Belegdatum z.B. in einem Angebot ändern, sofern das Kontrollkästchen Ausnahme nicht aktiv ist. Die Steuerfindung erfolgt nicht, wenn Sie das Belegdatum in einer Rechnung aus der Lieferscheinfaktura ändern.

  • Steuer-Identifikationsnummer

    Die Steuerfindung erfolgt, wenn Sie die Steuer-Identifikationsnummer löschen oder wenn Sie eine neue Steuer-Identifikationsnummer erfassen, sofern noch keine Steuer-Identifikationsnummer erfasst war. Wenn Sie z.B. die Steuer-Identifikationsnummer des Empfängers löschen, dann wird dieser nicht mehr als Geschäftskunde betrachtet, sondern als Endkunde. Die Steuerfindung erfolgt nicht, wenn Sie eine Steuer-Identifikationsnummer durch eine andere Steuer-Identifikationsnummer ersetzen.

  • Steuerfall

    Die Steuerfindung erfolgt, wenn das Ändern des Steuerfalls eine Änderung der Steuerpflicht und/oder eine Änderung des Besteuerungsorts zur Folge hat. Dies ist z.B. der Fall, wenn Sie den Steuerfall von "nicht verbrauchssteuerpflichtig" in "verbrauchssteuerpflichtig" ändern.

    (Gilt nur für besondere Steuerfälle, z.B. Warenlieferungen zwischen EU-Mitgliedstaaten.)

  • Kontrollkästchen Ausnahme

    Die Steuerfindung erfolgt, wenn Sie das Kontrollkästchen deaktivieren. Dabei werden Steuergebiete und Steuerpflicht neu ermittelt. Der Steuerfall wird nicht neu ermittelt. Jedoch wird geprüft, ob der Steuerfall noch zur Transaktionsart des Geschäftsvorgangs passt. Wenn die Daten nicht zusammenpassen, dann werden Sie in einer Systemmeldung entsprechend informiert.

Thema: Besteuerungsgrundlagen ändern

Ausführung der Hilfsprogramme EU-Erweiterung Vertriebsbelege und EU-Austritt Vertriebsbelege

Durch die Hilfsprogramme werden die Besteuerungsgrundlagen von offenen Belegen der betroffenen Geschäftspartner automatisch geändert. Auf Grund der geänderten Besteuerungsgrundlagen eines Belegs erfolgt automatisch eine erneute Steuerfindung für den Beleg.

Weitere Erläuterungen dazu finden Sie im Thema "EU-Erweiterung oder EU-Austritt".

Hinweis: Bei der Übernahme einer Belegposition kann es erforderlich sein, den Lagerort zu ändern. Wenn der neue Lagerort in einem anderen Steuergebiet liegt, dann müssen Sie bei der Belegübernahme die Besteuerungsgrundlagen für den Folgebeleg entsprechend ändern.

Thema: Besteuerungsgrundlagen bei der Belegübernahme ändern

Ablauf der Steuerfindung

Erläuterungen zum Ablauf

Im ersten Schritt werden die zum Belegdatum des Belegs gültigen Besteuerungsgrundlagen für den Belegkopf ermittelt.

Thema: Steuerfindung im Belegkopf

Im zweiten Schritt wird die Steuer für die einzelnen Belegpositionen des Belegs ermittelt.

Thema: Steuerfindung in den Belegpositionen

Die aus Rechnungen und Gutschriften ermittelte Steuer wird auf die Steuerkonten der Finanzbuchhaltung gebucht.

Thema: Steuerkonten

Steuerfindung im Belegkopf

Die zum Belegdatum des Belegs gültigen Besteuerungsgrundlagen werden aus den Stammdaten für die Steuerfindung ermittelt. Die Ermittlung erfolgt in folgenden Schritten:

  1. Abgangsort und Empfängerort des Geschäftsvorgangs ermitteln

    Thema: Abgangsort und Empfängerort ermitteln

  2. Transaktionsart des Geschäftsvorgangs ermitteln

    Anhand des Abgangsorts und Empfängerorts wird die Transaktionsart des Geschäftsvorgangs ermittelt. Die Transaktionsart beschreibt, ob es sich um einen inländischen, innergemeinschaftlichen oder ausländischen Geschäftsvorgang handelt.

    Thema: Transaktionsart ermitteln

  3. Steuergrundregel für den Abgangsort zur Transaktionsart ermitteln und anwenden

    Thema: Steuergrundregel ermitteln

  4. Steuerausnahmeregel für die betreffenden Steuergebiete ermitteln und anwenden

    Thema: Steuerausnahmeregel ermitteln und anwenden

Die ermittelten Besteuerungsgrundlagen werden im Belegkopf vorgeschlagen. Im Erfassungsfenster des Belegkopfs werden die Besteuerungsgrundlagen in der Registerkarte Steuer angezeigt. Im Fenster Besteuerungsgrundlagen ändern können Sie die Besteuerungsgrundlagen manuell ändern.

Anhand der Besteuerungsgrundlagen wird festgestellt, ob der Geschäftsvorgang des Belegs steuerpflichtig oder steuerfrei ist.

Zum besseren Verständnis der Steuerfindung und der Besteuerungsgrundlagen nachfolgend je Transaktionsart ein beispielhafer Geschäftsvorgang. Die Beispiele enthalten jeweils eine vereinfachte schematische Darstellung des Ablaufs der Steuerfindung im Belegkopf und die daraus resultierenden Besteuerungsgrundlagen. Die Grafikelemente, die auf den beispielhaften Geschäftsvorgang zutreffen, sind farblich hervorgehoben (Blau).

Beispiel: Inländischer Geschäftsvorgang

Geschäftsvorgang

Ein deutsches Unternehmen liefert Waren von einem Lagerort in Deutschland an einen deutschen Geschäftskunden mit Lieferadresse in Deutschland.

Aktion

Der erste Beleg (Auftrag) wird zu dem Geschäftsvorgang manuell erfasst.

Belegdaten

Im Belegkopf des Belegs sind u.a. folgende steuerrelevante Daten erfasst:

Belegdatum

17.10.2016

Abgangslagerort

Lagerortsadresse in Deutschland (Abgangsort)

Kundenadresse

Kundenadresse in Deutschland

Lieferadresse

Lieferadresse in Deutschland (Empfängerort)

Beispiel: Innergemeinschaftlicher Geschäftsvorgang mit Überschreitung der Lieferschwelle

Geschäftsvorgang

Ein deutsches Unternehmen liefert Waren von einem Lagerort in Deutschland an einen österreichischen Endkunden mit Lieferadresse in Österreich. Die für Lieferungen nach Österreich festgelegte Lieferschwelle wird überschritten.

Aktion

Der erste Beleg (Auftrag) wird zu dem Geschäftsvorgang manuell erfasst.

Belegdaten

Im Belegkopf des Belegs sind u.a. folgende steuerrelevante Daten erfasst:

Belegdatum

17.10.2016

Versandart

Versandart mit Versendung

Abgangslagerort

Lagerortsadresse in Deutschland (Abgangsort)

Kundenadresse

Kundenadresse in Österreich

Lieferadresse

Lieferadresse in Österreich (Empfängerort)

Beispiel: Ausländischer Geschäftsvorgang mit einem Drittland

Geschäftsvorgang

Ein deutsches Unternehmen liefert Waren von einem Lagerort in Deutschland an einen schweizerischen Kunden mit Lieferadresse in der Schweiz.

Aktion

Der erste Beleg (Auftrag) wird zu dem Geschäftsvorgang manuell erfasst.

Belegdaten

Im Belegkopf des Belegs sind u.a. folgende steuerrelevante Daten erfasst:

Belegdatum

17.10.2016

Versandart

Versandart mit Versendung

Abgangslagerort

Lagerortsadresse in Deutschland (Abgangsort)

Kundenadresse

Kundenadresse in der Schweiz

Lieferadresse

Lieferadresse in der Schweiz (Empfängerort)

Weitere beispielhafte Geschäftsvorgänge finden Sie im Thema "Steuerfälle im Vertrieb".

Abgangsort und Empfängerort ermitteln

Zur Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen werden folgende Adressen verwendet:

  • Adresse des Abgangsorts

    Adresse des Orts, von dem die Ware entnommen wird

  • Adresse des Empfängers (Zielort)

    Adresse des Orts, an den die Ware geliefert wird

Für die Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen werden die Adressen jeweils in ihre Bestandteile (Steuergebiete) gemäß der Steuergebietsstruktur aufgelöst. Eine Adresse hat mindestens den Staat als Bestandteil, wie dies z.B. bei einer Adresse in Deutschland der Fall ist.

Abgangsort ermitteln

Der Abgangsort kann Ihre Firmenadresse oder eine davon abweichende Adresse sein, z.B. Lagerortsadresse.

Folgende Adressen können als Abgangsort verwendet werden:

Adressen

Erläuterungen

Hinweise

Adresse Ihres Unternehmens aus dem Firmenstamm

Die Firmenadresse wird verwendet, wenn im Belegkopf kein Abgangslagerort (Lagerort ist "?") und kein Profitcenter erfasst sind. Sie wird auch dann verwendet, wenn im Belegkopf ein Profitcenter erfasst ist, das keine eigene Profitcenteradresse hat.

Somit hat die Adresse Priorität 3.

-

Adresse des Profitcenters aus dem Profitcenterstamm

Die Profitcenteradresse wird verwendet, wenn im Belegkopf kein Abgangslagerort erfasst ist (Lagerort ist "?").

Somit hat die Adresse Priorität 2.

Zu einem Profitcenter kann im Profitcenterstamm eine eigene Profitcenteradresse erfasst sein. Wenn ein Profitcenter keine eigene Profitcenteradresse hat, dann ist die Firmenadresse die Adresse des Profitcenters.

Beim Erfassen, Ändern oder Löschen des Profitcenters erfolgt eine erneute Steuerfindung, wenn im Belegkopf kein Abgangslagerort erfasst ist.

Adresse des Abgangslagerorts aus dem Belegkopf des Belegs

Die Lagerortsadresse wird verwendet, wenn im Belegkopf ein Abgangslagerort erfasst ist (Lagerort ist kein "?").

Somit hat die Adresse Priorität 1.

Die Steuergebiete aller Abgangslagerorte (Belegkopf und Belegpositionen) innerhalb eines Belegs müssen identisch sein.

Beim Erfassen, Ändern oder Löschen des Abgangslagerorts erfolgt eine erneute Steuerfindung.

Empfängerort ermitteln

Der Empfängerort kann die Kundenadresse oder eine davon abweichende Adresse sein, z.B. Lieferadresse.

Folgende Adressen können als Abgangsort verwendet werden:

Adressen

Erläuterungen

Hinweise

Adresse des Kunden aus dem Kundenstamm

Die Kundenadresse wird verwendet, wenn der Beleg nicht für einen diversen Kunden erfasst wird und im Belegkopf keine Lieferadresse erfasst ist.

Somit hat die Adresse Priorität 3.

-

Adresse des diversen Kunden aus dem Belegkopf des Belegs

Die Adresse wird verwendet, wenn der Beleg für einen diversen Kunden erfasst wird. In einem solchen Fall wird die Kundenadresse direkt im Belegkopf erfasst.

Somit hat die Adresse Priorität 2.

-

(Gilt nicht für Servicebelege.)

Lieferadresse des Kunden aus dem Belegkopf des Belegs

Die Lieferadresse wird verwendet, wenn diese in der Registerkarte LieferAdr des Belegkopfs erfasst ist.

Somit hat die Adresse Priorität 1.

Je nach Konfiguration kann die Lieferadresse "0" des Kunden bei der Belegerfassung automatisch in den Belegkopf übernommen werden.

Thema: Lieferadressen bei Kunden

Beim Erfassen, Ändern oder Löschen der Lieferadresse wird der Belegkopf automatisch gespeichert und es erfolgt eine erneute Steuerfindung.

Bei einem Auftrag für eine Umlagerung auf das Konsignationslager des Kunden wird auch die Lieferadresse des Belegkopfs als Empfängerort verwendet. Damit bei der Steuerfindung das Konsignationslager als Empfängerort verwendet wird, hinterlegen Sie im Belegkopf die Adresse des Konsignationslagers als Lieferadresse.

In einem Abrufauftrag können unterschiedliche Lieferadressen im Belegkopf und in den Abrufen erfasst werden. Bei der Steuerfindung wird die Lieferadresse des Belegkopfs als Empfängerort verwendet. Die Steuergebiete aller Lieferadressen innerhalb eines Abrufauftrags sollten identisch sein. Bei der Belegübernahme in einen Lieferschein wird die Lieferadresse des zu Grunde liegenden Abrufs als Lieferadresse in den Belegkopf des Lieferscheins übernommen.

Bei der Erfassung eines Belegs mit Bezug zu einem Rahmenauftrag wird die Lieferadresse des Rahmenauftrags nicht in den Folgebeleg übernommen. Somit hat die Lieferadresse des Rahmenauftrags keine Auswirkungen auf die Besteuerungsgrundlangen des Folgebelegs.

(Gilt nur für Servicebelege des Inhouse Services, z.B. Reparaturserviceaufträge.)

Lieferadresse des Kunden aus dem Belegkopf des Belegs

Die Lieferadresse wird verwendet, wenn diese in der Registerkarte LieferAdr des Belegkopfs erfasst ist.

Somit hat die Adresse Priorität 1.

Je nach Konfiguration kann die Lieferadresse "0" des Kunden bei der Belegerfassung automatisch in den Belegkopf übernommen werden.

Thema: Lieferadressen bei Kunden

Beim Generieren eines Reparaturserviceangebots wird die Lieferadresse des zu Grunde liegenden Calls als Lieferadresse in den Belegkopf des Reparaturserviceangebots übernommen. Das Gleiche gilt auch für das Generieren eines Reparaturserviceauftrags.

Beim Erfassen, Ändern oder Löschen der Lieferadresse erfolgt automatisch eine erneute Steuerfindung.

(Gilt nur für Servicebelege des Field Services, z.B. Serviceaufträge.)

Adresse des Einsatzorts aus dem Belegkopf des Belegs

Die Adresse des Einsatzorts wird verwendet (Leistungsort), wenn diese in der Registerkarte Einsatzort des Belegkopfs erfasst ist.

Somit hat die Adresse Priorität 1.

Wenn im Belegkopf kein Einsatzort erfasst ist, dann wird die Kundenadresse verwendet.

Je nach Konfiguration kann die Lieferadresse "0" des Kunden bei der Belegerfassung automatisch als Einsatzort in den Belegkopf übernommen werden.

Thema: Lieferadressen bei Kunden

Wenn im Belegkopf ein Serviceobjekt erfasst wird, dann wird die Adresse des Serviceobjekts automatisch als Einsatzort in den Belegkopf übernommen.

Beim Erfassen, Ändern oder Löschen des Einsatzorts erfolgt automatisch eine erneute Steuerfindung.

Transaktionsart ermitteln

Anhand des Abgangsorts und Empfängerorts wird die Transaktionsart des Geschäftsvorgangs ermittelt. Folgende Transaktionsarten werden unterschieden:

  • Inländischer Geschäftsvorgang

  • Innergemeinschaftlicher Geschäftsvorgang

  • Ausländischer Geschäftsvorgang mit einem Drittland

Für die Ermittlung sind folgende Daten relevant:

Zur Ermittlung der Transaktionsart werden die Adressen jeweils in ihre Bestandteile (Steuergebiete) gemäß der Steuergebietsstruktur aufgelöst. Steuergebiet ist jeweils der Staat der Adresse. Somit wird je Adresse anhand des Staats das korrespondierende Steuergebiet ermittelt. Anschließend wird geprüft, ob die Steuergebiete (Staaten) der beiden Adressen identisch sind.

Anwendungsfälle

Erläuterungen

Die Staaten sind identisch.

Transaktionsart: Inländischer Geschäftsvorgang

Die Staaten sind nicht identisch.

Prüfung, ob die Staaten der beiden Adressen Mitglieder derselben steuerlich relevanten Staatengemeinschaft sind (aktives Kontrollkästchen steuerl relevant), z.B. Mitglieder der EU.

Anwendungsfälle:

  • Die Staaten der beiden Adressen sind Mitglieder derselben Staatengemeinschaft.

    Transaktionsart: Innergemeinschaftlicher Geschäftsvorgang

  • Die Staaten der beiden Adressen sind nicht Mitglieder derselben Staatengemeinschaft.

    Transaktionsart: Ausländischer Geschäftsvorgang mit einem Drittland

Den ermittelten Steuergebieten können jeweils weitere Steuergebiete unterschiedlicher Steuergebietsarten untergeordnet sein, z.B. Postleitzahlenbereiche eines Staats. Der Zusammenhang der untergeordneten Steuergebiete ist in der Steuergebietsstruktur abgebildet. Zu jedem Steuergebiet innerhalb einer Steuergebietsstruktur können Daten zur Besteuerung für die Belegpositionen hinterlegt sein, u.a. Steuerschlüssel und Erlösgruppen. Diese Daten müssen jedoch mindestens zu dem Staat hinterlegt sein.

Steuergrundregel ermitteln

Für die ermittelte Transaktionsart des Geschäftsvorgangs wird die Steuergrundregel ermittelt. Die Steuergrundregel wird für den steuerrelevanten Staat des Geschäftsvorgangs ermittelt (Besteuerungsort). In der Regel ist dies der Staat des Abgangsorts.

Für die Ermittlung sind folgende Daten relevant:

Die Besteuerungsgrundlagen laut Steuergrundregel werden im Belegkopf vorgeschlagen, sofern keine Steuerausnahmeregeln für die betreffenden Steuergebiete existieren. Im Erfassungsfenster des Belegkopfs werden die Besteuerungsgrundlagen in der Registerkarte Steuer angezeigt. Im Fenster Besteuerungsgrundlagen ändern können Sie die Besteuerungsgrundlagen manuell ändern.

Steuerausnahmeregel ermitteln und anwenden

Nachdem die Steuergrundregel für den Geschäftsvorgang ermittelt wurde, wird geprüft, ob Steuerausnahmeregeln für die Steuergebiete des Geschäftsvorgangs existieren. Die Steuerausnahmeregeln werden für die dem Geschäftsvorgang entsprechende Kombination aus von Staatengemeinschaft oder Steuergebiet und nach Staatengemeinschaft oder Steuergebiet ermittelt.

Wenn für den Geschäftsvorgang eine Steuerausnahmeregel ermittelt wurde, dann wird diese für den Geschäftsvorgang angewendet. Somit wird z.B. die Lieferschwelle geprüft, wenn es sich bei dem Geschäftsvorgang um eine Warenlieferung an einen Endkunden innerhalb der Staatengemeinschaft "EU" handelt.

Für die Ermittlung sind folgende Daten relevant:

  • Stammdaten der Steuerausnahmebeziehungen

    Thema: Steuerausnahmebeziehungen verwenden

  • Programm mit den Ausnahmen

    Ausnahmen werden für Ihr Unternehmen individuell programmiert. Das Programm wird zu der Steuerausnahmebeziehung hinterlegt. Informationen dazu erhalten Sie von Ihrem Berater.

  • Je nach Steuerausnahmeregel und Geschäftsvorgang weitere Stammdaten, z.B. Schwellen.

    Thema: Schwellenarten und Schwellen verwenden

Wenn eine Steuerausnahmeregel existiert, dann werden die Besteuerungsgrundlagen laut Steuergrundregel mit den Besteuerungsgrundlagen laut Steuerausnahmeregel überschrieben. Somit werden die Besteuerungsgrundlagen laut Steuerausnahmeregel im Belegkopf vorgeschlagen. Im Erfassungsfenster des Belegkopfs werden die Besteuerungsgrundlagen in der Registerkarte Steuer angezeigt. Im Fenster Besteuerungsgrundlagen ändern können Sie die Besteuerungsgrundlagen manuell ändern.

Steuerfindung in den Belegpositionen

Bei einem steuerpflichtigen Geschäftsvorgang wird die Steuer laut Besteuerungsort für die einzelnen Belegpositionen des Belegs ermittelt. Dazu werden die Daten zur Besteuerung der Teile der Belegpositionen aus dem Steuergebiet ermittelt, das dem Besteuerungsort entspricht. In der Regel ist dies der Abgangsort.

Ausnahmen: Geschäftsvorgänge innerhalb der EU, z.B. bei Überschreitung der Lieferschwellen. In einem solchen Fall wird der Zielort (Empfängerort) als Besteuerungsort verwendet.

Für jede Belegposition wird der für das Teil zum Belegdatum gültige Steuersatz mit Hilfe der Kontenfindung ermittelt. Die Ermittlung erfolgt in folgenden Schritten:

  1. Ermittlung der dem Steuerfall des Geschäftsvorgangs entsprechenden Steuergruppe des Kunden

    Die Steuergruppe wird aus dem Stammdatensatz des Kunden ermittelt. Je nach Konfiguration der Kontenfindung können im Kundenstamm zwei Steuergruppen (einfache Kontenfindung) oder maximal sechs Steuergruppen (erweiterte Kontenfindung) hinterlegt sein. So kann bei der einfachen Kontenfindung die Steuerfindung lediglich für die Geschäftsvorgänge erfolgen, zu denen die beiden Steuergruppen im Kundenstamm hinterlegt sind.

  2. Ermittlung der Kontengruppe des Teils der Belegposition aus der Werteflussgruppe des Teils

    In der Kontengruppe sind die für das Teil möglichen Steuergruppen hinterlegt.

    Aus der Kontengruppe wird die Steuergruppe ermittelt, die der aus dem Kundenstamm ermittelten Steuergruppe entspricht. Wenn zu der Auftragsart des Belegs eine auftragsbezogene Steuergruppe existiert, dann wird diese Steuergruppe verwendet.

    Zu der Steuergruppe ist u.a. die betreffende Erlösgruppe hinterlegt.

  3. Ermittlung der Erlösgruppe

    Die zu der Steuergruppe hinterlegte Erlösgruppe wird aus dem Steuergebiet ermittelt, das dem Besteuerungsort des Geschäftsvorgangs entspricht.

    Zu der Erlösgruppe ist u.a. das betreffende Erlöskonto hinterlegt. In den Stammdaten des Erlöskontos ist der Steuerschlüssel zum Steuergebiet hinterlegt.

  4. Ermittlung des Steuerschlüssels und somit des Steuersatzes aus der Erlösgruppe oder dem Erlöskonto

    Wenn sowohl zu der Erlösgruppe als auch zum Erlöskonto Steuerschlüssel hinterlegt sind, dann wird der Steuerschlüssel aus der Erlösgruppe verwendet.

    Auf Basis des Steuerschlüssels werden u.a. folgende Daten ermittelt:

    • Steuersatz zur Berechnung der Steuer

      Für den Steuersatz des Steuerschlüssels wird noch geprüft, ob dieser zum Belegdatum gültig ist.

    • Steuerkonto und Skontokonto

    • Weitere Konten, u.a. Zuschlagskonten

Der für eine Belegposition ermittelte Steuersatz wird in der Belegposition angezeigt und kann je nach Konfiguration des Anwendungsparameters VB_VATChangeable manuell geändert werden.

Hinweis: Erlösgruppe, Steuerschlüssel sowie Steuersatz (Besteuerungsdaten) werden aus der Steuergebietsstruktur des Steuergebiets ermittelt, das dem Besteuerungsort des Geschäftsvorgangs entspricht. Die Besteuerungsdaten werden aus dem kleinsten Steuergebiet der Steuergebietsstruktur ermittelt. Dazu wird die Steuergebietsstruktur von unten (kleinstes Steuergebiet) nach oben (größtes Steuergebiet) durchsucht. Spätestens aus dem übergeordneten Steuergebiet des ISO-Alpha-2-Ländercodes (Staat) müssen Besteuerungsdaten ermittelt werden.

Zum besseren Verständnis des Ablaufs der Kontenfindung nachfolgend eine vereinfachte schematische Darstellung.

Informationen zur Steuerfindung

Wichtige Informationen und Informationsquellen sind u.a.:

Informationen

Informationsquellen

Besteuerungsgrundlagen eines Belegs

Erfassungsfenster des Belegkopfs; Registerkarte Steuer

Informationen zur Ermittlung und Änderung der Besteuerungsgrundlagen eines Belegs

Infofenster "Protokoll Steuerfindung"

Steuernummern der Geschäftspartner

Infofenster "Steuernummern"